Papa

Mein Papa war Kaufmann. Er fuhr jeden Tag mit dem Auto nach Den Helder in sein Büro. Mitgenommen hat er mich nie, aber er hat mir oft von seiner Arbeit erzählt. Wir bewohnten das Haus meiner Großeltern. Es lag direkt am Meer. Aus meinem Zimmer hatte ich die beste Aussicht. Ich war eine zumeist gute Schülerin. Immerhin also. Ich wollte Veterinärmedizinerin werden. Pferde. Ich ging reiten. Ich war auch eine gute Reiterin gewesen, bevor das alles passierte. Danach bin ich nie wieder auf den Hof gegangen. Nicht, weil ich nicht mehr reiten gekonnt hätte. Der Hof selbst war es. Er machte mir Angst. Ich musste danach oft an Marijke denken. War es richtig gewesen, dass ich geschwiegen hatte? Fühlte ich, dass seine Tat auch ein Vergehen an mir selbst war und nicht nur an ihr?

 

Irgendwie hätte mir das Reiten vielleicht auch doch keinen Spaß mehr gemacht.

Ich habe keine Kinder. Ich bin nicht einmal verheiratet. Ich bin am Ende keine Veterinärmedizinerin geworden. Sondern Kauffrau. Es ist nicht immer leicht, sich in dieser von Männern dominierten Welt zu behaupten. Vater hat sogar gemeint, es würde mir gar nicht gelingen. Manchmal glaube ich, vielleicht sollte ich ihm dankbar sein. Dass er es mir ermöglicht hat, diesen Weg zu gehen. Damit ich ihm zeigen kann, es gelingt mir doch.

Und dann denke ich an Marijke.  

(c) 2009, Andreas Galk. Alle Rechte vorbehalten. Keine unerlaubte Weiterveröffentlichung, auch auszugsweise.